Vom Kaffeekochen zum Vorstandsmeeting

So, Sie haben sich also gegen eine Vielzahl anderer Bewerber durchgesetzt und eine Zusage erhalten? Sie dürfen das gewünschte Praktikum antreten? Herzlichen Glückwunsch! Stellen Sie nun von Anfang an die Weichen auf Erfolg. 

 

Wie sie das tun, sowie weitere Tipps rund ums Praktikum und Studium gibt Günther Koch in seinem Buch „Studieren mit Köpfchen“. Koch ist Dozent für Wissenschaftliches Arbeiten am Staatsinstitut München.

Nicht zu viel erwarten

Sie werden in der ersten Woche weder Welt noch Firmenstruktur verändern, weder mit Millionenbeträgen jonglieren noch mit dem CEO zu Mittag essen. Keine Angst: Wenn Sie sich gut anstellen, kommt dies über kurz oder lang automatisch! Es ist gut möglich, dass Ihnen zunächst eine Vielzahl kleiner, eher unwichtiger Aufgaben übertragen wird. Auch als unter Umständen berufserfahrener Student mit Bestnoten müssen Sie sich darauf einstellen, häufig am Kopierer zu stehen, Daten stupide in den Computer einzugeben oder sonstige, wenig herausfordernde Aufgaben zu erledigen. Haben Sie Verständnis für Ihren Arbeitgeber, der Sie und Ihre Kompetenzen noch nicht einschätzen kann. Erst später, nachdem er Sie wirklich kennengelernt hat, kann er Sie für größere Projekte einplanen. Natürlich kann dies frustrierend sein, aber sehen Sie diese Zeit als Test. Zeigen Sie Ihrem Vorgesetzten, dass Sie alles mit Sorgfalt erledigen und man Ihnen auch größere und wichtigere Aufgaben übertragen kann. Nehmen Sie deshalb das Praktikum von Beginn an ernst und gehen Sie es voller Tatendrang an.  

Sollte sich an dieser Situation allerdings mittelfristig nichts ändern und Sie das Gefühl bekommen, als billige Hilfskraft eingestellt zu sein, suchen sie das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten oder der Personalabteilung. Auch wenn dies mittlerweile seltener der Fall ist, gibt es doch noch immer Unternehmen, die einen Praktikanten als kostengünstigen Hilfsarbeiter sehen. Monatelang Kaffee zu kochen und Kopien anzufertigen kann nicht Ihr Ziel sein. Selbst wenn das Praktikum ordentlich bezahlt wird und der Arbeitgeber einen guten Namen besitzt, sollte Ihre Zeit Ihnen dafür zu schade sein. Aber keine Angst, die meisten Arbeitgeber haben mittlerweile verstanden, wie befruchtend kompetente, gut eingebundene Praktikanten sein können. Zeigen Sie Ihrem Vorgesetzten, dass er sich auf Sie verlassen kann und Sie als vollwertiges Mitglied in sein Team einplanen kann

Zeigen Sie Initiative und Engagement

Seien Sie zur Stelle, sobald Freiwillige für eine Aufgabe gesucht werden. Wann immer sich jedoch ein Projekt auftut, das Ihr Interesse weckt und an dem Sie wachsen können, sollten Sie aus eigenem Antrieb auf die Verantwortlichen zugehen. Fragen Sie nach, ob Sie sich einbringen dürfen und eingebunden werden können. Selbstverständlich ist dieses In-die-Offensive-gehen, das Verlassen der eigenen Komfortzone, gerade für jüngere Studenten oftmals schwierig. Führen Sie sich das vor Augen und entscheiden Sie sich bewusst dafür, Scheu und Angst zu überwinden und sich weiterzuentwickeln. Seien Sie positiv und demonstrieren Sie Motivation und Fleiß.

Fragen Sie nach

Scheuen Sie nicht davor zurück, bei Unklarheiten Fragen zu stellen. Anders als reguläre Mitarbeiter, die in erster Linie aufgrund ihrer Fähigkeiten eingestellt wurden, befinden Sie sich noch im Lernprozess. Dies wissen auch die anderen. Kaum etwas ist für ein Team schwieriger als ein Mitarbeiter, der sich prinzipiell jeder Aufgabe gewachsen fühlt und die eigenen Schwierigkeiten nicht oder zu spät eingesteht. Ihre Kollegen und Vorgesetzten müssen sicher gehen können, dass Sie den Aufgaben gewachsen sind, die Sie übernommen haben.

Sprechen Sie mit Ihren Vorgesetzten

Suchen Sie von sich aus das Gespräch über Ihre Tätigkeit und Ihre Fortschritte. Fragen Sie offen, ob Sie die Erwartungen erfüllen. Dadurch zeigen Sie einerseits Engagement und Interesse und kreieren andererseits die Chance, Ihre Zeit im Unternehmen für beide Seiten (noch) gewinnbringender zu gestalten. Tauschen Sie sich aber nicht nur mit Ihren Vorgesetzten und Kollegen aus, sondern nehmen Sie sich auch bewusst Zeit, Ihre Tätigkeit zu reflektieren. Unter Umständen kann es sogar sinnvoll sein, während des Praktikums Tagebuch zu führen. Wenn dies für Sie besser klingt, können Sie gerne von einem Berichtsheft oder Journal sprechen. Beantworten Sie für sich die folgenden Fragen:

• Wie verändern Sie sich durch Ihr Praktikum?

• Inwiefern profitieren Sie von den gesammelten Erfahrungen?

• Werden diese Ihr Studium beeinflussen? Wenn ja, auf welche Weise?

• Erfüllt das Praktikum Ihre Erwartungen? Ist Ihre Zeit hier sinnvoll investiert?

Bedanken Sie sich am Ende des Praktikums bei Ihrem Arbeitgeber für die Möglichkeit zur Mitarbeit und bei den Kollegen für die Zusammenarbeit. Bitten Sie um ein Praktikums- oder Arbeitszeugnis, in dem all Ihre Tätigkeiten detailliert aufgeführt sind. Vielleicht besteht sogar die Möglichkeit, eine längerfristige Zusammenarbeit anzusprechen und über eine studienbegleitende Nebentätigkeit dem Unternehmen verbunden zu bleiben. Auch wenn dies nicht zustande kommt, sollten Sie sich darum bemühen, mit dem Vorgesetzten und den Kollegen in Kontakt zu bleiben und so nach und nach ein berufliches Netzwerk aufzubauen.

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