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Wie publiziere ich?

Eine Veröffentlichung abzuschließen und endlich in Händen zu halten, ist eine zufriedenstellende Angelegenheit. Doch wie genau ist die Aufgabenverteilung zwischen AutorInnen und Verlag geregelt? Und woher sollten WissenschaftlerInnen wissen, welche Texte, Grafiken, Abbildungen sie ohne Probleme nochmals als Zeitschriftenaufsatz veröffentlichen können, wenn das Ganze bereits als Buch publiziert worden ist? Wie finde ich denn überhaupt einen Verlag? Nach welchen Kriterien beurteilt man dort mein Manuskript?

Vom wissenschaftlichen Publizieren aus Verlagsperspektive erzählt das Buch der Verlegerin Barbara Budrich Erfolgreich Publizieren. Dieses Buch ist in unserem Gesellschafterverlag Verlag Barbara Budrich erschienen. Unter dem Dach von budrich academic finden Sie bei budrich training auch Seminarangebote zum Thema: Schreiben, Publizieren, Päsentieren.

Beispielhaft wird hier der Weg nachgezeichnet, den man zu gehen hat, wenn man eine Dissertation als Buch veröffentlichen möchte.

Entscheidung über das Publikationsformat

Sie suchen einen geeigneten Partner zur Veröffentlichung Ihres Projekts wissen aber noch nicht genau, in welcher Form Sie Ihren Text wem anbieten wollen. Sie überlegen nun: Ist wissenschaftliche Reputation wichtig für Sie? Falls ja, sollten Sie bei der Wahl des Verlages nach der jeweiligen Bedeutung im Wissenschaftsbetrieb fragen. Ist Reputation zweitrangig, Sie wollen lediglich veröffentlichen, danach wenden Sie sich anderen Aufgabenbereichen zu? In diesem Falle können Sie nach der für Sie bequemsten und/oder billigsten Publikationsmöglichkeit suchen. Bei der Entscheidung für das Publikationsformat stehen auf der einen Seite Kosten- und Reputationserwägungen, auf der anderen Seite aber auch die Thematik und Reichweite Ihrer Fragestellung. Je enger, je spezifischer, desto eher ist von einer Buchpublikation abzuraten: Sie könnten dann den Arbeitsaufwand, der ohnehin notwendig ist, um ein Manuskript zur Publikationsreife zu bringen, auch in einen oder mehrere Zeitschriftenaufsätze investieren. Eine Veröffentlichung auf einer Internetplattform kostet dann den gleichen Aufwand, wenn auch dort Peer Reviewing oder andere Qualitätskontrollen angewendet werden. Nur dann können Sie davon ausgehen, dass diese Plattform wissenschaftliche Anerkennung genießt. Wenn Sie sich für ein Format und einen potenziellen Partner entschieden haben, müssen Sie dort vorstellig werden.

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Manuskriptpräsentation

Nun präsentieren Sie Ihr Manuskript. Erkundigen Sie sich beim Verlag, in welcher Form Ihr Manuskript dort vorzugsweise empfangen wird. Möglicherweise müssen Sie einen spezifischen Fragebogen ausfüllen. Denken Sie daran, dass die Präsentation des Manuskripts sich daran orientiert, welche Zielgruppe Sie als Hauptinteressenten für Ihr Projekt ins Auge gefasst haben. Kurze und übersichtliche Präsentationen, eindeutig benannte Dateien (nicht den Verlagsnamen als Dateikennung verwenden), Auskunft über AutorInnen und Entstehungszusammenhang helfen dem Lektorat, sich einen raschen Überblick zu verschaffen.

Quelle: Barbara Budrich, Erfolgreich Publizieren S.119

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Angebot, Förderung, Überarbeitungsauflagen

Wir freuen uns darüber, dass Sie ein Veröffentlichungsangebot erhalten. Doch es ist geknüpft an Überarbeitungsauflagen. Ihr Angebot enthält für die Veröffentlichung der Dissertation eine Subventionsforderung. Sie verhandeln mit dem Verlag und erreichen, dass Sie ab dem 501. verkauften Exemplar ein Honorar in Höhe von 5% des Nettoerlöses je verkauftes Exemplar, zehn Freiexemplare sowie die Dissertations-Pflichtexemplare erhalten. Wegen der Subvention stellen Sie einen Antrag auf Druckkostenzuschuss bei der VG Wort. Während der Wartezeit schauen Sie sich die Überarbeitungsauflagen des Verlages an und überarbeiten Ihr Manuskript. Die Formatierungsvorgaben des Verlages finden Sie leicht umzusetzen, da Sie bereits viel Erfahrung mit Textverarbeitungssystemen haben. Die VG Wort meldet sich mit einer Absage. Das ist schade, aber Sie begeben sich zu den Internetseiten des Deutschen Stifterverbandes, schreiben vier Stiftungen und ein lokales Geldinstitut an. Sie erhalten nach einigem Hin und Her drei Förderzusagen, die nicht für die komplette Subvention ausreichen, aber den größten Teil der Kosten abdecken.

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Skript-Abgabe, letztes Feilen

Die Phase der Überarbeitung ist überstanden, Sie haben noch vereinzelte Anmerkungen zurückbekommen, ein letztes Mal überarbeitet. Für die Open Access-Variante und die Dissertation erledigen Sie nun noch die letztgültige Formatierung. Redaktion und Verlag erwarten von Ihnen publikationsreife pdf-Dateien. Dann wird es langsam aufregend. Sie erhalten vom Verlag noch die Seiten 1 bis 4 (sogenannte Titelei) zur Druckfreigabe. Bei der Dissertation achten Sie darauf, dass das für Ihre Promotion wichtige Sigl der Universität auf die Impressumseite kommt. Für die Förderung haben Sie in der Danksagung bereits nette Worte gefunden, auf dem Umschlag müssen die Logos der Förderer abgedruckt werden. Den Umschlag erhalten Sie zur Freigabe vorgelegt.

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Warten und Marketing

Auf die Print-Publikationen müssen Sie nun warten. Die Zeit nutzen Sie, um sich eine eigene Marketingstrategie zu überlegen. Sie wollen in Abstimmung mit der Pressestelle des Verlages einschlägige Presse informieren, fragen KollegInnen, ob sie bereit wären, Ihr Buch zu rezensieren, und denken darüber nach, wo Sie durch Ihren Aufsatz zu Vorträgen eingeladen werden können oder ob ein Radiointerview möglich wäre, weil Ihr Thema brisant ist. Sie besprechen Ihre Ideen zu den Büchern mit Ihrem Verlag und bekommen noch einige wichtige Anregungen.

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Gedruckt und erschienen

Und dann klingelt endlich der Paketbote und überreicht Ihnen Ihre Belege. Sie schlagen das Buch auf – und finden als Erstes einen Fehler. Doch dann freuen Sie sich, stellen das Ergebnis Ihrer Arbeit und Mühen strahlend auf die Kommode im Flur, den Esstisch, den Schreibtisch. Sie packen ein Exemplar Ihrer Dissertation mit Widmung ein und schicken es Ihrer 80-jährigen Patentante. Sie genießen Ihren Erfolg. Wenn Sie dann wieder zu sich gekommen sind, rufen Sie alle Menschen an, die Sie auf dem Weg begleitet haben, um sich zu bedanken, schicken die notwendigen Belegexemplare durch die Republik und bewerben sich für einschlägige Vorträge, organisieren mit Ihrer Campus-Buchhandlung eine Lesung für ein handverlesenes Fachpublikum. Für dieses Publikationsformat gilt: Sie schließen mit der VG Wort einen Wahrnehmungsvertrag ab; ob Sie von Verlags- oder Redaktionsseite Honorar erhalten oder nicht, von der VG Wort erhalten Sie eine kleine Ausschüttung. Registrierung jeweils bis 31.12. eines Jahres. Bevor Sie vor der Publikation stehen, haben Sie viel Arbeit bewältigt, sich vielfach geärgert, waren häufiger der Meinung, nun sei es endlich fertig, und mussten noch einmal Hand anlegen. Die Verlags- und Redaktionsleute, die Sie in dieser Zeit begleitet haben, haben dies sicherlich gern getan und standen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Möglicherweise konnten Sie nicht alles durchsetzen, was Sie hatten erreichen wollen. Ihr Verlag hat Ihnen vielleicht das Recht auf nicht-exklusive Nutzung als digitale Publikation nicht zugestanden, sondern im Gegenteil, er insistiert, Ihre Publikation kostenpflichtig im Internet anzubieten. Oder Sie haben aus Kostengründen darauf verzichtet, einige Abbildungen in Farbe abdrucken zu lassen. Den Weg vom Manuskript zum Buch finden Sie noch einmal in der schematischen Übersicht IV nachgezeichnet. Es handelt sich in der Übersicht um ein Buch, das im Verlag formatiert wird. Wird die Druckvorlage von den AutorInnen erstellt, entfallen die Korrekturläufe. Im Großen und Ganzen haben Ihr Verlag, Ihre Redaktion, Sie, wie ich hoffe, zu Ihrer Zufriedenheit begleitet, und Ihnen hat die Kooperation Freude bereitet.

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