Beschreibung
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Beim Schreiben machen wir alle die gleiche Erfahrung: hinsetzen und gleich den perfekten Text verfassen, klappt nicht. Aber mit den richtigen Tipps entstehen nicht nur gute Texte, sondern es macht auch richtig Spaß!
Maria Haines zeigt in ihrem UTB-Band ABC der wissenschaftlichen Abschlussarbeit, wie man Schreibschwierigkeiten überwindet und welche Kardinalfehler es zu vermeiden gilt:
Es gibt immer einen Bereich aus dem eigenen Themen-Arbeitsgebiet, in dem man sich gut auskennt und der sich als Einstieg anbietet. Dabei ist es (noch) nicht relevant, ob die Syntax holprig ist und die Wortwahl eher unelegant: Das Wichtigste ist, dass man schreibt.
Hat man einen Textabschnitt verfasst, so legt man ihn zur Seite und arbeitet auf einem anderen Gebiet als dem des Schreibens: Diese Vorgehensweise dient dazu, Abstand zu gewinnen zur Tätigkeit des Schreibens und Distanz aufzubauen zum Ergebnis. Nach Fertigstellung dieser anderen Tätigkeit soll sich der Studierende wieder dem Schreibprozess zuwenden und ein weiteres Themenfeld schriftlich bearbeiten.
Dieser Wechsel von Schreiben, Abstand-Gewinnen, Schreiben erfolgt so lange, bis der Schreibende merkt, dass die Arbeit des Text-Verfassens sich angenehmer gestaltet und leichter von der Hand zu gehen beginnt. (Ehrenwort: Dieser Effekt setzt tatsächlich ein!) Nun können die ersten geschriebenen Abschnitte hervorgeholt und »gegengelesen« werden. Dabei sind bereits bestimmte Kriterien zu berücksichtigen:
Anschließend kann mit dem Ausbessern begonnen werden: Wo der Satzbau zu verschachtelt ist, muss geglättet werden; Fachtermini sind im Sinnzusammenhang aufzuführen und entsprechend zu erklären, Satzanfänge wie: »Und dann ...« bedürfen einer geschmeidigeren Formulierung, Wortwiederholungen erfahren eine Ersetzung durch Synonyme usw. Über den Prozess des Text-Redigierens gewinnt derjenige, der diese Arbeit vornimmt, weitere Erfahrung und Übung im Schreiben, was problemlos und vor allem umgehend auf die nachfolgenden Textabschnitte angewendet werden kann.
Wissenschaftliches Schreiben erfordert Objektivität in der Darstellungsweise; aus diesem Grund sind Hinweise auf sich selbst zu unterlassen. »Ich«, »mir« und »mein« dürfen nicht in der Arbeit vorkommen, sondern werden durch unpersönliche Formulierungen umschrieben. Da mancher eine natürliche Hemmschwelle hat, von sich selbst als »der Verfasser dieser Arbeit« oder »der Autor« zu schreiben (was aber korrekt ist), bleibt als Alternative nur die Form der passivischen Umschreibung, z. B. statt: »Ich habe in diesem Abschnitt besonderes Augenmerk auf ... gelegt« wird die Passivform angewendet: »In diesem Abschnitt wird besonderes Augenmerk auf ... gelegt.« »Im Folgenden will der Verfasser zeigen, dass ...«. Solche oder ähnliche Absichtserklärungen wie auch: »Es soll weiterhin ausgeführt werden, ...« sind nicht zu empfehlen, zumal nachfolgend in den meisten Fällen ja tatsächlich etwas gezeigt bzw. ausgeführt wird.
Auch Formulierungen wie »glauben«, »meinen«, »annehmen« fallen in den Bereich der Tabu-Wörter; dasselbe gilt für unbewiesene und damit allzu gewagte Schlussfolgerungen wie: »Es kann davon ausgegangen werden, dass ...«. Wer solche Satzkonstrukte z. B. in seinem Ausblick anbringt, muss zumindest einen Gedanken dazu anbieten, der Aufschluss gibt darüber, was dazu veranlasst, dass von etwas ausgegangen werden kann.
Gerade Schreib-Ungeübte erliegen leicht der Versuchung, Text abzuschreiben bzw. mit Copy/Paste zu übernehmen: Solche »Brüche« im Text sind schnell aufzudecken und ziehen im schlimmsten Fall den Vorwurf des Plagiats mit allen Konsequenzen nach sich.
Wer nicht versiert ist im Schreiben vor allem wissenschaftlicher Texte, sollte sich beim Lesen von Fachliteratur immer Notizen machen, z. B.: Wie leitet der Fachautor von einem Satz zum nächsten, von einem Thema zum folgenden über? Solche Hilfsmittel sind immer für eine Übernahme gestattet.
Tut mir leid, aber einige dieser Hinweise sind nachgerade kontraproduktiv. Passiv und vermeintlich unpersönliche Umschreibungen sind nicht besonders wissenschaftlich, sondern vor allem leserfeindlich! Wer selbst Beobachtungen gemacht hat, der sollte das gerade nach wissenschaftlichen Kriterien auch offenlegen; vgl. dazu die aktuellen Thesenpapiere zur guten wissenschaftlichen Praxis und meine Darlegung unter https://www.facebook.com/notes/text-coach-wissenschaft/ich-in-wissenschaftlichen-texten/421006721274197.
Der Inhalt dieser Seite stammt aus dem UTB-Band:
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Wissenschaftlich schreiben nach dem Gugelhupf-Prinzip
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