Die Formatierung: Gut Ding will Weile haben

Sie haben’s schon fast geschafft, der Text ist eigentlichfertig, nächste Woche ist Abgabe. Aber bis dahin ist noch viel zu tun. Zunächst gilt es, den Text etwas ruhen zu lassen. Wie bei einem Käse,der auch erst reifen muss, um schmackhaft zu werden. 

Wie Sie das satztechnische und typographische In-Form-Bringen Ihres Gedankengangs vornehmen können erläutert Prof. Dr. Markus Krajewski von der Bauhaus-Universität Weimar.
Der Inhalt dieser Seite stammt aus seinem Buch:

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Alternative zu Word

Sofern Sie mit den Ergebnissen von Word eigentlich ganz zufrieden sind, können Sie diesen Absatz getrost überspringen. – Wer etwas mehr ästhetischen Ehrgeiz besitzt und kein Experte in Word ist, der tut gut daran, auch keiner zu werden. Diese Lebenszeit sollte man sich besser sparen, um sie auf eine Beschäftigung mit dem kostenlosen, gemeinfreien Schriftsatz-System LaTeX zu verwenden. Wer bislang noch keinerlei Erfahrung mit Programmier- oder Auszeichnungssprachen (wie HTML oder XML) hat, mag durch das hier zum Einsatz gelangende Prinzip zunächst etwas irritiert sein. Denn es erfordert anfangs, ein wenig umzudenken, sowie etwas Einarbeitung. Dafür gelingen schon nach kurzer Zeit die routinierten Schreibabläufe umso reibungsfreier. Programmabstürze gehören der Vergangenheit an. Und die Ergebnisse auf dem Papier sprechen für sich. Die einzige Schwierigkeit besteht vermutlich darin, dass LaTeX nicht innerhalb von zwei Tagen in Fleisch und Blut übergeht, auch wenn es inzwischen Anleitungen gibt, die eine steile Lernkurve und die Beherrschung des Programms innerhalb von 157 Minuten versprechen.

Fangen Sie also besser nicht erst auf den letzten Metern an, Ihre Textverarbeitung zu wechseln. Zumal wenn gerade am Ende der Arbeit die Zeit etwas knapp wird und Sie sich nicht noch auf Experimente einlassen wollen, so lohnt sich auf jeden Fall ein ruhiger Blick auf diese andere Art zu schreiben entweder lange vor oder erst nach der Abgabe Ihres Texts.  Denn die nächste (Abschluss-)Arbeit kommt bestimmt.

Fehler, die man tunlichst vermeiden sollte

Tippfehler Buchstabendreher, Velwechsrungen und ihresgleichen sind leider kaum zu vermeiden. Abhilfe: Schalten Sie, sofern es Sie nicht zu sehr ablenkt, die Eingabekontrolle beziehungsweise die Rechtschreibkorrektur Ihrer Schreibsoftware an. Beachten Sie aber, dass man diese zunächst anlernen muss, bevor sie die gängigen Fachbegriffe Ihrer Disziplin verstehen wird.

Orthographische Fehler Diese sind lästig, zeugen sie doch von einer mangelnden Beherrschung der Sprache, in der man seine Arbeit abfasst. Abhilfe (für Deutsch) bietet der Duden (Neue) Rechtschreibung, wo Sie die wichtigsten Regeln auf den ersten Seiten nachlesen können. In anderen Sprachen finden Sie analoge Werke, also etwa den Larousse für Französisch oder den Webster für Englisch.

Wilde Schriftmischungen Wirbeln Sie keinesfalls einfach verschiedene Schriften durcheinander, also in der Überschrift etwa eine Sans Serif, während Sie im Fließtext eine Garamond verwenden. Das sieht nicht zwangsläufig gut aus. Zur Abhilfe können Sie sich an vier Regeln orientieren: Eigentlich sollte man, erstens, im gesamten Dokument stets innerhalb einer Schriftfamilie bleiben, also etwa durchgängig eine Garamond verwenden. Man kann, zweitens, wenn es denn sein soll, sehr unterschiedliche Schriften mischen, die wenig Ähnlichkeiten miteinander haben. Alternativ dazu kann man, drittens, Schriften mit ähnlichen Strukturen mischen, also etwa zwei edle Schriften mit unterschiedlicher Strichstärke. Wichtig dabei ist aber, viertens, stets darauf zu achten, dass die Mittellängen übereinstimmen. Referenzgröße dafür ist jeweils der Buchstabe ‚x‘ einer Schrift, anhand dessen sich Vergleiche ziehen lassen.

Schlimmer Satzspiegel Abhilfe: Rand lassen. Das Wichtigste bei der Formatierung des Seitenlayouts besteht darin, der jeweiligen Seite ausreichend Rand einzuräumen. (Buchstäblich:) Auf der einen Seite benötigt man ihn zur Bindung, auf der anderen Seite kann der Gutachter davon für seine Korrektur kaum genug bekommen – denkt er, manchmal.

Überhaupt noch ein Wort zur Korrektur. Wie korrigiert man eigentlich einen Text? Dafür gibt es standardisierte Korrekturzeichen. Wo findet man die? In jedem Duden. Die deutsche Rechtschreibung vorne, auf den ersten Seiten. Auch hier lohnt sich die Mühe einer Aneignung, sofern es nicht Ihr letzter Text sein soll.

Typographische Grobheiten Also zum Beispiel die fehlende Unterscheidung zwischen einem Halbgeviertstrich – so sieht der aus – und einem Trenn-Strich. Oder aber: “englische Anführungszeichen” in einem deutschen Text. Also, better avoid using „German quotation marks“ in English written texts. Aber “quotes from the Englishlanguage” in deutschen Texten müssen tatsächlich in englischen Anführungszeichen stehen. Abhilfe und Orientierung bietet eine nicht nur optisch vorzügliche Kurzzusammenfassung der wichtigsten typographischen Feinheiten, die Christoph Bier (2009) auf nur zwölf Seiten zusammengestellt hat.

Formale Schlampigkeit Weil die Zeit am Ende äußerst knapp wird, verzichten Sie wider besseres Wissen auf ein (akribisches) Endlektorat? Abhilfe: ein akribisches Endlektorat. Das muss sein. Am besten, den Text ein paar Tage ruhen lassen, um ihn dann mit etwas Distanz auf seine formale Korrektheit hin zu lesen. Wenn Sie sie nicht ohnehin schon aus dem Effeff beherrschen, sollten Sie sich zwischenzeitlich mit den derzeit geltenden Rechtschreibregeln vertraut machen. Auch hier hilft der aktuelle Duden zuverlässig weiter.

Alle Daten weg! Wieso sind plötzlich die besten Passagen im Text nicht mehr auffindbar? Aus unerklärlichen, computermystizistischen Gründen erweisen sich die schönsten Formulierungen als gelöscht. Abhilfe: Tägliche – oder, falls Sie zu datentechnischem Chaos neigen, auch stündliche – automatisierte Backups.

Fehlt nicht noch etwas, am Ende des Texts?

Die ehrenwörtliche Erklärung, dass Sie nicht Gutenberg sind und plagiiert haben, ja, die muss freilich noch rangehängt werden. Doch noch einen Schritt davor, da gehört das vollständige Verzeichnis all jener Schriften hin, die Sie zuvor verwendet haben. Genauso werden hier jedoch auch jene Texte aufgeführt, die Sie im weiteren Zusammenhang, zur Hintergrundinformation und als allgemeine Literatur herangezogen haben. Auch wenn Sie mit aller Sorgfalt Ihre Belege im Text stets mit Fußnoten oder Siglen versehen haben, so muss am Ende einer akademischen Qualifikationsschrift noch ein Literaturverzeichnis stehen, damit die Gutachter auf einen Blick die verwendete Literatur überschauen können. Um diese Liste nicht eigens noch mühselig zusammenstellen zu müssen, ist es ratsam, hier erneut den elektronischen Zettelkasten oder Ihre Literaturdatenbank zu mobilisieren. Meist verfügt derartige Software über Funktionen, welche die gesamte, für die aktuelle Arbeit ausgewählte Literatur automatisch aufzulisten erlauben. Dabei markieren Sie während Ihrer Arbeit am Text jene Einträge, die Ihnen als Arbeitsmaterial dienen, speichern diese als Liste ab, um am Ende des Schreibprozesses diese sukzessive gewachsene Aufzählung abzurufen und an Ihren Text als Literaturverzeichnis anzufügen. Mit LaTeX, nebenbei bemerkt, wird dieses Verzeichnis vollautomatisch generiert. Manche Literaturverwaltungen erlauben zudem, mehrere Listen zu führen, etwa für die Schriften, die Sie sich während des Schreibens noch aus der Bibliothek besorgen müssen, oder für eigenständige, thematisch gebündelte Bibliographien beziehungsweise eben für das Literaturverzeichnis am Ende der Arbeit. Wichtig bei jeder Form der Liste ist derweil, dass Sie strikt auf Einheitlichkeit achten, das heißt, die jeweiligen Formatvorgaben oder -entscheidungen streng durchhalten. Selbstständig erschienene Schriften, also Bücher- und Zeitschriftentitel, stehen kursiv, und zwar nicht etwa, weil’s so schön aussieht, sondern damit der Leser auf einen Blick weiß, nach welchem Teil der Angabe man recherchieren muss.

Was macht man eigentlich mit dem ganzen Material, das sich während der Schreibphase in dem Dokument angesammelt hat und nun auf den letzten Metern doch keine Berücksichtigung mehr findet? Wenn Sie mit Word und einem Zettelkasten arbeiten, in dem es ohnehin gespeichert bleibt, spricht nichts dagegen, das Material aus der Satzvorlage ersatzlos zu streichen. Als LaTeX-Benutzer haben Sie es ungleich einfacher, denn Sie können das Material einfach im Dokument an jenen Stellen belassen, wo es bei einer eventuellen Revision oder Neuauflage des Texts zur Ausarbeitung kommen könnte, und zwar einfach, indem Sie es als Kommentar kennzeichnen. Dieser bleibt zwar im Dokument an der richtigen Stelle, erscheint aber nicht auf der Seite im Druck. Diese Möglichkeit versetzt Sie in die Lage, auf mehreren Ebenen zugleich zu arbeiten und das Ganze abzuschließen und zugleich als work in progress zu halten. Kein akademisches Gesetz schreibt vor, den deutschen oder finnischen Wald durch Ihre Abschlussarbeit doppelt so stark abholzen zu lassen, wie es eigentlich erforderlich wäre. Kein Gutachter hat so viel anzumerken, dass er dazu noch die Rückseite eines jeden einseitig beschriebenen Blatts benötigte. Man kann also dieses satztechnische Relikt des Schreibmaschinenzeitalters und jener Ära, als Kopierer noch keinen Duplexdruck beherrschten, geflissentlich ignorieren. Warum nicht das Papier guten Gewissens beidseitig bedrucken, bevor Sie es feierlich – und vielleicht auch ein wenig stolz – zum Buchbinder tragen?

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