Der Klügere liest rot.

Belastende Sprechsituationen entkräften

 

Angst vor mündlichen Prüfungen und unangenehmen Sprechsituationen basiert meistens auf vergangenen Traumata. utb-Autorin Linda-Maria Haffinger gibt in ihrem Buch "Redeangst war gestern!" Tipps zur Vorbeugung und Meisterung von belastenden Sprechsituationen.

 

In diesem Kapitel geht es um eine veränderte Sicht auf bestimmte Erlebnisse, die von starken, meist negativen Gefühlen begleitet werden. Dabei ist es gut zu wissen, dass Situationen, in denen Sie ein starkes Gefühl empfinden (z.B. Stolz, Scham, Angst, Ärger, Freude), häufig anders in der Erinnerung verankert werden. An manche können Sie sich in bestimmten Situationen gestochen scharf, an andere hingegen nur bruchstückhaft erinnern. Kommen Sie nun aber erneut in dieses starke Gefühl, z.B. Scham, so fallen Ihnen Erinnerungen an andere Situationen, in denen Sie ebenfalls Scham verspürt haben, viel leichter und schneller ein. Dieses sogenannte „emotionsabhängige Erinnern“ sorgt dafür, dass Sie sich in einem starken Gefühl an andere Dinge erinnern als bei einer eher neutralen Gefühlslage (Übersicht bei Schmidt-Atzert, Peper & Stemmler, 2014, S. 263ff.). Sind Sie also vor einer Redesituation sehr ängstlich, fallen Ihnen leichter auch andere (Rede)Situationen ein, in denen Sie Angst verspürt haben, und dies befeuert die aktuelle Angst weiter. Entziehen Sie diesen angstvollen Erinnerungen durch eine Neubewertung die Grundlage.

 

Überlegen Sie dafür zunächst, welche unangenehmen Erinnerungen Ihnen in/vor Redesituationen in den Kopf kommen. Sollte es eine geben, die sich immer wieder einstellt, ist es diese, mit der Sie starten sollten. Gibt es mehrere, wählen Sie zunächst eine spezifische aus, mit der Sie sich in dieser Übung weiter beschäftigen.

 

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AKUTTIPP

Sollte die Erinnerung an die belastende Sprechsituation anfangs trotzdem in oder kurz vor der Redesituation dazwischenfunken, lassen Sie das belastende Erinnerungsbild bewusst immer kleiner werden, bis Sie es nicht mehr „erkennen“ können. Mach Sie sich klar: Diese Erinnerung hilft Ihnen nicht dabei, die momentane Sprechsituation zu meistern.

Bei noch nicht so lange zurückliegenden negativen Erfahrungen im Studienkontext, wie z.B. einem „verhauenen“ Referat im letzten Semester, geht es natürlich auch um eine nüchterne Analyse auf der Sachebene: Welche Veränderungsmöglichkeiten haben Sie persönlich? Was können und wollen Sie aufgrund dieser schwierigen Erfahrung berücksichtigen und beim nächsten Mal verändern? Noch ein kleiner gedanklicher Ausflug am Ende dieses Zwischenschritts: Manche Personen haben zwar ein mulmiges Gefühl beim Sprechen, können sich aber gar nicht konkret an eine schwierige Sprechsituation in der Vergangenheit erinnern, die sie heute noch beeinflussen könnte, oder es sind ganz verschiedene Situationen präsent, die sich vermischen und gedanklich ineinanderlaufen. Sollten Sie so empfinden, könnten Sie versuchen, schrittweise vorzugehen. Zunächst können Sie die Strategien zur Stärkung des eigenen Sprecherbilds (ab 2.4) testen und prüfen, ob diese schon reichen, um fokussiert in zukünftige Sprechsituationen zu starten. Wenn nein, wäre es vielleicht hilfreich, sich gemeinsam mit einem Profi noch einmal Gedanken dazu zu machen. Weitere Infos dazu bekommen Sie auch im Schlusswort.