Der Klügere liest rot.

Formulierungshilfe Essay

Ein Essay ist eine Sonderform einer Hausarbeit. Ziel ist es, auf eine pointiert gestellte Frage eine Antwort zu geben, die verschiedene (kontroverse) Aspekte berührt, aber gleichzeitig eine klare Struktur aufweist. Autor Karsten Jung stellt in dem Handbuch "Kompetent Prüfungen gestalten" die wichtigsten Kriterien eines guten Essays vor.

Der Essay im Unterschied zur Hausarbeit

Essay heißt „Versuch“ – es handelt sich um einen Versuch, sich einem Thema anzunähern. Der Schreibstil soll daher eher feuilletonistisch sein, leichter und eleganter als bei einer Hausarbeit. Ein Essay bedarf nicht einer starren Gliederung wie eine Hausarbeit und auch mit Zitaten sollte eher sparsam umgegangen werden (vgl. Wie schreibe ich einen Essay, Uni Wien 2017).

Dabei wird eine eingangs zu benennende Fragestellung oder These unter Verwendung von differierenden Positionen oder Daten diskutiert bzw. kritisch hinterfragt. Die Pointe liegt dabei darin, auf sprachlich hohem Niveau eine Gratwanderung von rhapsodischen und zielführenden Gedanken zu vollführen, die gerade durch ihren unterschiedlichen Charakter einen roten Faden zur eigenen Meinung hin begründen. Im Unterschied zu einer klassischen Hausarbeit geht es im Essay nicht darum, ein Thema in allen Details zu behandeln, sondern zu einer nachvollziehbar begründeten eigenen Meinung zu einer Frage zu kommen.

Ein guter Essay lässt erkennen, dass sein/e Autor/in die zum Thema gehörende Literatur und Fachdiskussionen kennt, ohne diese im Einzelnen ständig belegen zu müssen: Es geht darum, Argumente eigenständig abzuwägen und nicht Meinungen Dritter zu referieren (vgl. Essays schreiben im Studium 2017).

Auch gilt: „In der Kürze liegt die Würze“

– ein Essay sollte den Umfang von 5 bis 7 Textseiten nicht überschreiten. Ein Essay lässt sich prinzipiell auch als Klausur durchführen; im Grundsatz gilt hier das Gleiche wie für den „Hausarbeits-Essay“.

Hinsichtlich des Aufbaus folgt ein Essay grundsätzlich dem klassischen Schema Einleitung – Hauptteil – Schluss. In der Einleitung wird die zu diskutierende These vorgestellt und die Relevanz der folgenden Diskussion plausibilisiert. Der Hauptteil entfaltet die Argumente zur These: unterschiedliche Argumente werden vorgetragen und abgewogen.

Trotz leichter Sprache und in der Regel nur implizitem Bezug zur Fachliteratur ist ein Essay keine Aneinanderreihung von wütenden Stammtischargumenten: In der Qualität und Nachweisbarkeit der vorgetragenen Argumente liegt ein wesentliches Beurteilungskriterium. Der Essay schließt ab mit dem aus dem vorgetragenen Folgenden, insbesondere der eigenständigen Beurteilung der dem Essay zugrunde liegenden Fragestellung bzw. These.