Der Klügere liest rot.

Formulierungshilfe Zusammenfassung

Zusammenfassungen finden sich als Rekapitulation der wichtigsten Ergebnisse am Ende einzelner Kapitel und/oder am Ende einer Studie. Wenn jedes Kapitel mit einer kurzen Zusammenfassung schließt, sollte diese nur wenige Sätze umfassen und unter der Frage „Was soll mein Leser aus diesem Kapitel behalten?“ die wichtigsten Informationen/Ergebnisse bündeln. So schließt ein Kapitel zu Redeerinnerungen im Traum mit folgenden Sätzen:

Wo in einem Traum Reden vorkommen, die ausdrücklich als solche von Gedanken unterschieden werden, stammt die Traumrede ausnahmslos von erinnerter Rede im Traummaterial ab. Häufig ist die Traumrede aus verschiedenen Redeerinnerungen zusammengestückelt. Der Wortlaut ist dabei gleich geblieben, der Inhalt womöglich verändert. Nicht selten dient die Traumrede als bloße Anspielung auf das Ereignis, bei dem die erinnerte Rede geführt wurde.

Die Zusammenfassung am Ende einer Studie wird nicht von allen Autoren wissenschaftlicher Texte gleichermaßen befürwortet: Man argumentiert, dass es sich lediglich um Wiederholungen handele, und übersieht dabei, dass Wiederholungen das Verständnis unterstützen und die Erinnerung stärken. Aber nicht nur als Rückblick sind Zusammenfassungen nützlich, sondern auch zur Vorinformation des Lesers: Ein geübter Leser wird nämlich zunächst die Einleitung einer Studie und anschließend die Zusammenfassung lesen, um sicher zu gehen, dass die Ergebnisse für ihn relevant und neu sind. Erst dann wird er sich dafür entscheiden, die gesamte Studie zu lesen. Aus diesem Grund sollte die Zusammenfassung in keiner längeren Arbeit fehlen.

Zusammenfassungen bieten Ihren Lesern ein Konzentrat Ihrer Ergebnisse! Allerdings ist die Zusammenfassung nicht mit dem Abstract zu verwechseln: Im Abstract erfahren wir sowohl die Fragestellung als auch Methode und Ergebnisse, in der Zusammenfassung geht es dagegen lediglich um die Ergebnisse ohne weitere Erläuterungen, wie der Autor/die Autorin zu diesen Ergebnissen gekommen ist. Längere Studien oder Aufsätze, die dem Text ein Abstract voraus schicken, können deshalb auf eine Zusammenfassung verzichten, wenn das Abstract die Ergebnisse bereits benannt hat. In manchen wissenschaftlichen Zeitschriften wird das Abstract als „Zusammenfassung“ bezeichnet. Diese „Zusammenfassung“ steht dann wie jedes Abstract am Anfang des Textes.
Kurze Aufsätze verzichten ebenfalls oft auf eine Zusammenfassung, weil davon ausgegangen werden kann, dass die Ergebnisse dem Leser am Ende des Textes noch präsent sind. Falls Sie Ihrer Studie ein Abstract voran stellen, können Sie auf eine Zusammenfassung verzichten!

Die Zusammenfassung und der anschließende Ausblick sind in der Regel Gegenstand eines eigenen Kapitels mit der Überschrift „Fazit“, „Schluss“, „Schlussbetrachtung“ oder „Resümee“. Informativer, wenn auch nicht unverzichtbar, ist sicherlich eine Überschrift, die inhaltlich die abschließende Thematik umreißt. So überschreibt eine Studie über Armut in hoch industrialisierten Ländern ihr Schlusskapitel mit Armut im Reichtum –Armut durch Reichtum? Um im Fazit darauf hinzuweisen, dass der folgende Text die Ergebnisse zusammenfasst, bieten sich folgende Formulierungen an:

Formulierungen für die Zusammenfassung

• in unserem Beitrag haben wir (habe ich) gezeigt
• diese Studie hat gezeigt
• zusammenfassend lässt sich feststellen/sagen
• die Ergebnisse dieser Untersuchung lassen sich wie folgt zusammenfassen
• die Analyse hat ergeben
• die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen
• abschließend ist festzuhalten  

Darüber hinaus lassen sich alle Wendungen, die zur Formulierung der Ergebnisse, für Vorankündigung und Rückblick vorgeschlagen wurden, entsprechend anpassen.
Eine Studie über die Kosten unerwünschter Werbemails (Spam) fasst ihre Ergebnisse folgendermaßen zusammen:  

Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass die Kosten auf Seiten des Providers im Vergleich zu den Kosten durch Arbeitszeitverluste auf Mitarbeiterebene zu vernachlässigen sind. So stehen den Kosten des Rechenzentrums in Höhe von knapp 15.000€ Kosten auf Mitarbeiterebene gegenüber, die um ein Vielfaches höher sind. Unter der Annahme, dass die Kosten repräsentativ für die Universität erhoben wurden, ist von Gesamtkosten aufgrund von Arbeitszeitverlusten von ca. 2,2 Mio. Euro pro Jahr auszugehen (Basis 5.000 Mitarbeiter).  

Die Zusammenfassung kann auch ohne einleitende Formulierungen auskommen. Der Text ist dann, wie in wissenschaftlichen Aufsätzen häufig anzutreffen, lediglich durch die Kennzeichnung „Fazit“ als Schlussteil erkennbar:

Fazit
Die Unterscheidung konflikt- und strukturbedingter Störungen und Störungsanteile hat erhebliche Konsequenzen für die psychotherapeutische Arbeit, insbesondere mit Borderline-Patienten. Eine einseitig konfliktorientierte Haltung läuft Gefahr, den Patienten zu überfordern. Mit Blick auf die strukturellen Probleme der Patienten ist es wichtig, auf die Handlungsebene des therapeutischen Geschehens zu achten, in der Begleitung und Begrenzung des Patienten eine beelternde Funktion zu übernehmen, eine gute Balance von therapeutischen Anforderungen und Hilfestellungen zu finden und immer wieder zu prüfen, was der Patient „nicht kann“ und was er andererseits „nicht will“.