Der Klügere liest rot.

Heiße Luft

Nicht nur in studentischen Arbeiten erschweren unnötig komplizierte Formulierungen das Verständnis, auch in der Forschungsliteratur werden Texte durch »heiße Luft« aufgebläht:

»Dass Imperative der Bestandserhaltung wirtschaftlicher, administrativer und militärischer Systeme den Spielraum einer Praxis schrumpfen lassen, die von den Beteiligten einvernehmlich nach Maßgabe konsensfähiger Werte und Normen koordiniert wird, führt nach wie vor zu aktuellen und dringlichen Problemerfahrungen.«

Hat sich der Autor im Dschungel der eigenen Begriffe verirrt? Warum werden die Kernaussagen vernebelt statt verdeutlicht? Versuchen wir, die Aussagen auszupacken:

»Die Zwänge anonymer wirtschaftlicher, administrativer und militärischer Systeme engen den Spielraum der Menschen ein, die nach gemeinsamen Werten handeln wollen. Dies wird bis heute als dringliches Problem erfahren.«

Nehmen Sie sich solche Texte nicht zum Vorbild, auch wenn sie scheinbar »wissenschaftlich« klingen. Sobald Sie einen solchen Absatz lesen, stellen Sie sich vor, Sie stechen mit einer Nadel in den Ballon voll heißer Luft, die Luft entweicht: Was bleibt übrig?

Versuchen Sie nun, die Kernaussage in einen verständlichen Satz zu fassen. Wenn Sie selber zu aufgeblähten Texten neigen, lassen Sie regelmäßig Luft aus Ihren Textballons.