Der Klügere liest rot.

Wortwahl

In seinem utb-Band Wissenschaftlich formulieren bietet euch Stefan Kühtz Tipps und Textbausteine für ein höheres fachliches Niveau bei wissenschaftlichen Arbeiten an.  Unter anderem auch, was zu vermeiden ist – nämlich: alles, was den Lesefluss behindert und einen Text unnötig aufbläht, wie z.B. hohe Fremdwortdichte, bedeutungsunscharfe Wörter, lange Schachtelsätze, etc. Ein paar dieser No-Gos nennen wir euch hier, mehr könnt ihr im Lehrbuch nachlesen.

Zum Umgang mit Fremdwörtern

Es besteht keine Indikation für eine gesteigerte Infiltration des Manuskripts mit Lexemen nicht-nativer Provenienz. – Zu deutsch: Stopfen Sie Ihren Text nicht unnötig mit Fremdwörtern voll!

Für viele Verfasser von Fachtexten gilt eine hohe Fremdwortdichte als typisches Merkmal des wissenschaftlichen Stils. Sie reichern ihre Texte künstlich mit Fremdwörtern an, um den Eindruck besonderer Gelehrtheit oder Modernität (besonders durch Anglizismen) zu erwecken. Diese Fremdwörter beeinträchtigen aber häufig die Lesbarkeit und Verständlichkeit von Texten. Im Gegensatz zu den wissenschaftlich notwendigen Fachwörtern lassen sich Fremdwörter oftmals durch leichter verständliche deutsche Wörter mit gleicher Bedeutung ersetzen (z.B. ostensiv durch offensichtlich). Abgesehen davon sind Fremdwörter häufige Fehlerquellen…

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Wörter, die es so nicht gibt

Im Folgenden finden Sie eine Sammlung von Wörtern, die zwar immer wieder zu hören und zu lesen sind, die es aber in der deutschen Standardsprache so nicht gibt. Die Verwendung dieser Wörter ist eine häufige Fehlerquelle in Hausarbeiten.

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Verfasserinnen und Verfasser – Eine Frage des Geschlechts

Eigentlich ist es im Deutschen ganz einfach: Für weibliche Personen verwendet man grammatische Formen des Femininums (sie, ihre…) und für männliche Personen die maskulinen Formen (er, sein…). Möchte man anzeigen, dass eine Person, die einer bestimmten Personengruppe angehört, weiblich ist, so fügt man die Endsilbe -in an: Wissenschaftlerin, Autorin, Leserin, Bewerberin…

So weit, so gut. Trotzdem führt die Geschlechtergerechtigkeit beim wissenschaftlichen Schreiben immer wieder zu Problemen oder Fehlern:

Sind Vertreter beider Geschlechter gemeint, dann sollten sie auch beide genannt werden. In früheren Zeiten wurde in solchen Fällen vereinfachend die männliche Form gewählt, und zwar auch dann, wenn dieser Gruppe Frauen angehörten: die Autoren, die Lehrer, die Forscher, die Kandidaten etc. Dieses generische Maskulinum schloss auch weibliche Personen mit ein. Gleichwohl sahen Sprachkritiker (und mehr noch Sprachkritikerinnen) darin eine Benachteiligung von Frauen, weil diese sprachlich „unsichtbar“ blieben und bestenfalls mitgemeint, aber eben nicht explizit mitgenannt waren. Heute wird eine sprachliche Gleichstellung der Geschlechter im öffentlichen Sprachgebrauch durch die so genannten Doppelformen erreicht: Autorinnen und Autoren, Lehrerinnen und Lehrer usw. Wenn Sie solche Doppelformen in Ihrer Arbeit verwenden, verfahren Sie politisch korrekt.

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Andere Möglichkeiten:

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1. beispielsweise die Kurzform SuS’ für Schüler und Schülerinnen. Solche Kurzformen müssen jedoch bei der ersten Verwendung explizit eingeführt werden, z.B. mit einer Anmerkung in Klammern oder als Fußnote […]

2. In letzter Zeit werden geschlechtsneutrale Formen zunehmendverwendet: Studierende, Teilnehmende, Lehrende…  […] [Ihre sprachliche Eleganz ist allerdings fragwürdig.]

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Die Fußnote regt an... – Subjektschübe

Beim Subjektschub geht es ebenfalls um eine fehlerhafte „Vermenschlichung“, die in diesem Fall jedoch die Folge einer vereinfachenden Satzkürzung ist. Bei dieser Kürzung wird eine handelnde Person als Subjekt aus dem Satz verdrängt und ein anderes Substantiv an deren syntaktische Position geschoben:

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Um eine Formulierung mit Subjektschub aufzulösen, kann man entweder das handelnde Subjekt wieder einfügen (Im zweiten Kapitel regt der Autor an…), oder aber man weicht auf eine Passivkonstruktion aus (Im letzten Absatz wird betont…).

Daneben gibt es auch die Möglichkeit, ein Verb zu wählen, das semantisch nicht zwingend auf menschliches Handeln verweist: z.B.: die Grafik veranschaulicht / zeigt / lässt erkennen… (in diesem Fall ist der Subjektschub aber streng genommen nicht aufgelöst, sondern nur abgeschwächt).