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Schreibblockaden

Gerade bei langfristigen Schreibprojekten fällt es oft ganz schön schwer, motiviert zu bleiben. Manchmal kommt man einfach nicht weiter. Tipps, wie man (wieder) anfangen kann, gibt Helga Esselborn-Krumbiegel in Die erste Hausarbeit – FAQ (2. A., S. 220–224):

Malen Sie ein Mindmap!
Mit Hilfe eines einfachen Mindmaps (vgl. Kap. 3.8.2) bringen Sie eine vorläufige Ordnung in Ihre Gedanken. Wenn diese Ordnung Sie noch nicht überzeugt, schreiben Sie das Mindmap um. Diese visuelle Darstellung hilft Ihnen, Schwerpunkte zu erkennen, Lücken zu entdecken und durch die Zusammenfassung der Ideen zu Gruppen eine erste grobe Struktur für die Arbeit zu finden.

Finden Sie Überschriften!
Geben Sie jeder Gedankenblase (chunk) Ihres Mindmaps einen vorläufigen Titel. So gewinnen Sie einen Überblick über mögliche Kapitel. Treffende Formulierungen spielen dabei noch keine Rolle, denn es geht zunächst nur darum festzulegen, worum es in den einzelnen Kapiteln gehen soll.Beim Thema „Körperplastinate“ haben Sie z.B. folgende Stichworte zu einer Gruppe zusammengefasst:Emotionalisierung, nachgestellte Szenen, Effekte, Lebensechtheit, informativ, Interaktion der Körper, Anschaulichkeit. Dieser Gruppe geben Sie nun den Titel „Ausstellungsmerkmale“. […] Auf diese Weise generieren Sie bereits erste Kapitelüberschriften, die Sie später wo nötig präzisieren können.

Wählen Sie ein Ritual!
Oft ist das Anfangen das größte Problem beim Schreiben. Meistens ist es hilfreich, nicht direkt mit der Textformulierung zu beginnen, sondern erst einmal in den eigenen Notizen zu blättern, ein Selbstgespräch über die nächsten Schritte zu führen oder einen lockeren 3-Minuten-Text zu skizzieren. Rituale zum Schreibbeginn setzen fast alle Schriftsteller ein. Überlegen Sie, was Ihre Konzentration fördern könnte und probieren Sie es aus. Legen Sie eine leise Musik auf (Kopfhörer in der Bibliothek), betrachten Sie ein anregendes Urlaubsbild, kritzeln Sie auf einem Stück Papier, räumen Sie Ihren Arbeitsplatz auf, trinken Sie Tee … Egal wie gewöhnlich oder ungewöhnlich Ihr Ritual aussieht, wichtig ist allein, dass es Sie zum Schreiben bereit macht.

Schreiben Sie einen 3-Minuten-Text!
Das Free Writing ist ein bewährtes Verfahren, um den Übergang ins „ernsthafte“ Schreiben zu erleichtern. Schreiben Sie 3 Minuten lang alles auf, was Ihnen durch den Kopf geht. Nehmen Sie sich bewusst kein Thema vor, sondern notieren Sie Ihre Gedanken unzensiert und so schnell wie möglich. Der sprachliche Ausdruck spielt hierbei keine Rolle, Grammatik und Rechtschreibung sind gleichgültig. Nach 3 Minuten legen Sie Ihr Gedankenprotokoll beiseite, ohne es durchzulesen. Beginnen Sie jede Schreibsession mit dieser kleinen Fingerübung und Sie werden sehen, dass Ihnen der Übergang ins Schreiben Ihrer Arbeit leichter fällt, weil Sie jetzt den Kopf frei haben und nebenbei bereits ins Schreiben gekommen sind.

Formulieren Sie einen Arbeitsauftrag!
Richtig loslegen können Sie nur, wenn Sie genau wissen, was Sie tun sollen. Und weil niemand Ihnen einen konkreten Arbeitsauftrag gibt, müssen Sie es selber tun. Formulieren Sie für jede neue Schreibsession schriftlich einen kurzen Arbeitsauftrag. Der Auftrag lautet nicht „Schreib die nächsten 2 Seiten“, sondern z.B. „Gunther von Hagens Technik der Plastination kurz vorstellen (ca. 1/2 Seite)“. Es geht also darum, den Arbeitsauftrag immer inhaltlich konkret zu fassen. Am besten schreiben Sie Ihren Arbeitsauftrag für den nächsten Tag schon am Vorabend auf, damit Sie dann am nächsten Tag nach Ihrem kleinen Ritual direkt loslegen können.

Notieren Sie Kernsätze!
Formulieren Sie vor dem Schreiben für jede Information/Behauptung, die Sie vortragen wollen, einen vollständigen Satz. Auch hier spielt die Wortwahl zunächst keine Rolle, es kommt nur auf den Inhalt an. Bringen Sie dann diese Sätze in eine sinnvolle Reihenfolge. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Leser Ihrer Argumentation möglichst leicht folgen kann. Jetzt haben Sie einen Fahrplan für Ihren Text, den Sie Schritt für Schritt, Satz für Satz abarbeiten können, indem Sie die Sätze genauer erklären, Beispiele einfügen und gegebenenfalls Pro und Kontra diskutieren.

Sprechen Sie Ihren Text auf Band!
Wenn Ihnen das Anfangen besonders schwerfällt, erzählen Sie einem Gesprächspartner/einer Gesprächspartnerin das, was Sie schreiben wollen, und nehmen Sie das Ganze auf. Dann tippen Sie das Gesagte ab und gewinnen so einen Ausgangstext, an dem Sie weiterarbeiten können. Da dieses Vorgehen aufwändig ist, empfiehlt es sich, es immer nur am Anfang einer Schreibsession einzusetzen. Wenn Sie erst einmal einen Anfang gemacht haben, fällt das Weiterschreiben meist leichter.

Betrachten Sie Ihre erste Hausarbeit als Übung!
Manchmal hat man Angst, sich mit einem schlechten Text zu blamieren und zögert deshalb den Anfang immer wieder hinaus. Auch die Furcht, noch nicht genug zu wissen, behindert das Schreiben. Machen Sie sich klar, dass Ihre erste Hausarbeit für Sie eine Übung im wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben ist. Sie müssen noch nicht alles können und auch nicht alles gelesen haben. Es genügt, wenn Ihre Arbeit eine sinnvolle Fragestellung zielführend beantwortet und dabei relevante Forschung verarbeitet.

Schreiben Sie für einen Adressaten!
Stellen Sie sich beim Schreiben immer einen konkreten Adressaten vor, am besten eine wohlwollende interessierte Leserin aus Ihrem persönlichen Umfeld. Schreiben Sie so, dass Ihre Leserin Ihnen folgen kann und versteht, worum es geht. Mit einem konkreten Adressaten vor Augen wird Ihr Text „von selber“ argumentativ klarer und im Ausdruck schlüssiger. Probieren Sie es aus

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