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Formulieren

Nicht nur der Inhalt, auch die Sprache von Hausarbeiten & Co. ist wissenschaftlich. Aber was bedeutet das eigentlich? Welchen Anforderungen wissenschaftliche Formulierungen gerecht werden müssen, erläutert Stefan Kühtz in Wissenschaftlich formulieren (S. 13–16):

Sachbezogenheit und Objektivität

Wissenschaftliche Darstellungen behandeln bestimmte Themen oder Sachverhalte, die sich aus der Auseinandersetzung mit fachspezifischen oder fächerübergreifenden Fragestellungen ergeben. Die jeweils behandelte Fragestellung wird durch Titel und Kapitelüberschriften angezeigt und in einführenden Textabschnitten präzisiert, wobei nur solche Aspekte einbezogen werden, die für das jeweilige Thema einer Arbeit bzw. eines Kapitels relevant und aufschlussreich sind (Sachbezogenheit). Fehl am Platz ist folglich alles, was nicht „zur Sache“ gehört.

Eine Grundregel des wissenschaftlichen Arbeitens besagt, dass alle gewonnenen Erkenntnisse von anderen jederzeit nachprüfbar sein müssen (Objektivität). Es muss erkennbar sein, auf welche Weise eine bestimmte Erkenntnis gewonnen wurde. Somit ist alles zu vermeiden, was nicht nachgeprüft werden kann, wie z.B. unbelegbare Vermutungen oder subjektive Bewertungen (Genaueres dazu in den Kapiteln 1.3 und 1.4).

Präzision, Eindeutigkeit und Korrektheit

Mit Präzision, Eindeutigkeit und Korrektheit ist gemeint, dass bei der Formulierung von wissenschaftlichen Texten größtmögliche Genauigkeit sowie sachliche und sprachliche Richtigkeit anzustreben sind. Dies bezieht sich auf unterschiedliche Bereiche:
Fachbegriffe sind in wissenschaftlichen Texten unerlässlich, weil fachliche Gegenstände und Sachverhalte nur mit Fachbegriffen präzise und korrekt bezeichnet werden können. Die Fachbezeichnungen, die für Ihre Arbeit zentral sind, müssen definiert werden. Für Leserinnen und Leser muss deutlich werden, wie Sie bestimmte Begriffe verstehen und in welcher Bedeutung Sie diese Begriffe in Ihrer Arbeit verwenden (Genaueres dazu in den Kapiteln 1.1 und 2.4).
– Ihre Formulierungen sollten so gewählt sein, dass die Textinhalte exakt dargestellt sind, und beim Lesen schnell erfasst werden können – und zwar so, wie Sie es gemeint haben. Grundvoraussetzungen dafür sind eine präzise Wortwahl, eine grammatikalisch und formal fehlerfreie Textgestaltung sowie der Verzicht auf Formulierungen, die unklar oder missverständlich sind (das sind vor allem ironische, mehrdeutige und ungenaue Formulierungen).
Wörtliche oder sinngemäße Übernahmen aus anderen Texten müssen formal als solche kenntlich gemacht und inhaltlich korrekt wiedergegeben sein.
– Alle Quellenangaben müssen richtig und vollständig sein.

Der Aspekt der Präzision bedarf einer zusätzlichen Erläuterung:
Nicht alles in einem wissenschaftlichen Text kann und muss mit größtmöglicher Präzision abgehandelt werden. Dies würde sonst zu umständlicher Ausführlichkeit und zu Abschweifungen in Nebenthemen führen, die den Text unnötig überfrachten. Zudem könnte das eigentliche Thema leicht aus dem Blickfeld geraten; ein Text wird dann schnell unübersichtlich und schwer lesbar (das wäre dann das redensartliche „vom-Hölzchen-aufs-Stöckchen-Kommen“).
Der Präzisionsanspruch bezieht sich deshalb in erster Linie auf das Hauptthema – den „thematischen Kern“ oder „roten Faden“ Ihrer Arbeit. Welche Textanteile zum Hauptthema gehören, ergibt sich aus der Themenformulierung, der Konzeption und der Zielsetzung Ihrer Arbeit.
In thematischen Neben- und Randbereichen werden Präzision und Ausführlichkeit zugunsten der Übersichtlichkeit abgestuft, soweit sich dies nicht nachteilig auf eine präzise Darstellung des Hauptthemas auswirkt.

Kürze und Prägnanz

Wissenschaftliche Texte sind ein Medium zur Weitergabe von Informationen in der Arbeitswelt. Die Schreibaufgaben in Schule und Studium haben unter anderem den Sinn, Sie auf diese Arbeitswelt vorzubereiten.
Die Zeit, die Sie zum Schreiben aufwenden und die eine fachkundige Person berufsbedingt für die Lektüre eines wissenschaftlichen Textes aufwenden muss, ist also Arbeitszeit. Demnach hat das Formulieren wissenschaftlicher Texte auch eine ökonomische Dimension: Werden Sachverhalte kurz und prägnant dargestellt, ermöglicht dies eine effizientere Nutzung von Arbeitszeiten.

Wissenschaftliche Texte sollen neben einer schnellen Textrezeption auch eine leichte Erfassung der Inhalte ermöglichen. Begünstigt wird beides durch
– treffende Wörter,
– pointierte Formulierungen,
– einen übersichtlichen Satzbau,
– einen geordneten Textaufbau sowie
– eine logische Gedankenführung.

Zu vermeiden ist alles, was den Lesefluss behindert (wie z.B. hohe Fremdwortdichte, bedeutungsunscharfe Wörter, lange Schachtel-sätze…) und einen Text unnötig aufbläht (wie unwichtige Inhalte, Selbstverständlichkeiten, unnötige Wiederholungen, unnötige Weitschweifigkeit… Genaueres dazu in den Kapiteln 1.2.1, 1.2.3, 1.12).

Aber: Kürze und Prägnanz bedeuten nicht: „so wenig Text wie möglich“!

Manchmal kann es für die Verständlichkeit und Präzision eines Textes wichtig sein, auf eine größtmögliche Verdichtung zu verzichten und etwas ausführlicher zu formulieren (s. Kapitel 1.12). Wissenschaftlich formulieren heißt also immer auch, Kürze und Verständlichkeit in ein sinnvolles Verhältnis zueinander zu bringen, nach dem Motto: So ausführlich wie nötig, so kompakt und prägnant wie möglich!

Zusatzmaterial: Zum Buch ist eine ergänzende Website mit Formulierungsvorschlägen für alle Teile einer wissenschaftlichen Arbeit verfügbar, die über einen Code im Buch abrufbar ist.

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